Bei modernen Notebooks verhindert die Ladeelektronik eine Überladung, wenn sie dauerhaft am Netzteil betrieben werden; hohe Temperaturen und ein über lange Zeit voll geladener Akku können die Lebensdauer jedoch beeinträchtigen. Experten zufolge ist es die praktischste Schutzmaßnahme, die vom Hersteller angebotene Ladebegrenzung zu nutzen und für einen kühlen Betrieb des Geräts zu sorgen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Akku am Stromnetz überhaupt nicht altert. Lithiumbasierte Akkus verlieren auch ohne Nutzung mit der Zeit chemisch bedingt an Kapazität. Ladezustand und Temperatur können beeinflussen, wie schnell diese Alterung voranschreitet.
Schadet es dem Akku, dauerhaft bei 100 Prozent am Netzteil zu bleiben?
Bleibt der Akku bei 100 Prozent am Netzteil, entsteht daraus nicht direkt ein Problem der Überladung; die Akku-Management-Elektronik ist genau dafür ausgelegt, dies zu verhindern. Allerdings ist es für Lithium-Ionen-Zellen chemisch nicht ideal, über lange Zeit auf einem sehr hohen Ladezustand gehalten zu werden.
Bei hohem Ladezustand verbleiben diese Zellen auf einer höheren Zellspannung, was langfristig zu den Faktoren gehört, die die chemische Degradation innerhalb der Zelle beschleunigen können. Der Effekt ist nicht so groß, dass er sich innerhalb weniger Stunden bemerkbar macht; über Monate und Jahre hinweg kann dieselbe Nutzungsweise jedoch zum Kapazitätsverlust beitragen.
Aus diesem Grund bieten einige Notebook-Hersteller eine Ladebegrenzung an. Wird das Gerät überwiegend wie ein Desktop-PC am Netzteil betrieben, kann es sinnvoll sein, den Akku bei etwa 60, 80 oder einem anderen vom Hersteller festgelegten Wert zu halten. Die Bezeichnung der Funktion variiert je nach Marke; bei manchen Computern lässt sie sich über die herstellereigene App aktivieren, bei anderen über BIOS oder UEFI, und einige Modelle lernen das Nutzungsverhalten und steuern den Ladevorgang automatisch.

Der eigentliche Feind des Akkus ist womöglich die hohe Temperatur
Bei Diskussionen über die Lebensdauer von Notebook-Akkus richtet sich die Aufmerksamkeit meist auf den Ladestand, doch die Temperatur gehört zu den kritischsten Faktoren. Lithium-Ionen-Zellen können bei hohen Temperaturen schneller chemisch altern. Wird das Gerät gleichzeitig ständig geladen und bei hoher Temperatur betrieben, treffen zwei ungünstige Bedingungen zusammen.
Beim Spielen, bei der Videobearbeitung oder wenn Prozessor und Grafikkarte über längere Zeit unter hoher Last laufen, erzeugt der Computer erhebliche Wärme. Liegt der Akku in der Nähe heißer Komponenten, kann er von dieser Wärme beeinträchtigt werden. In dünnen Notebooks, in denen die Bauteile sehr eng beieinander liegen, wird das Temperaturmanagement dadurch noch wichtiger.
Wird das Gerät auf einem Bett, Sofa oder einer Decke benutzt, können die Lufteinlässe verdeckt werden; können die Lüfter nicht genügend Luft ansaugen, werden neben Prozessor und Grafikkarte auch die inneren Bereiche heißer. Eine harte, ebene Unterlage hilft, den Luftstrom zu erhalten. Auch die mit der Zeit zunehmende Verstaubung von Lüftern und Luftkanälen kann die Temperaturen erhöhen; treten im normalen Betrieb deutlich höhere Temperaturen als früher auf, lässt sich der Zustand des Kühlsystems überprüfen.

Bringt es etwas, das Laden auf 80 Prozent zu begrenzen?
Bei dauerhaftem Netzbetrieb erweist sich die Ladebegrenzung als eine der praktischsten Methoden zum Schutz des Akkus. Viele Hersteller bieten verschiedene Funktionen an, die den maximalen Ladezustand des Akkus senken; so verharrt der Akku bei längerem Netzbetrieb nicht ständig bei 100 Prozent.
80 Prozent ist zwar ein häufig genutzter Wert, sollte aber nicht als unveränderliche Regel für alle Notebooks betrachtet werden. Manche Hersteller legen andere Prozentwerte fest oder steuern das System automatisch. Das Ziel ist dabei nicht, den Akku möglichst niedrig zu halten, sondern die Zeit zu verringern, in der er dauerhaft auf hoher Zellspannung verweilt.
An Tagen, an denen man unterwegs ist, lässt sich die Begrenzung aufheben und der Akku vollständig laden. Bei einem Computer ohne Ladebegrenzung muss man nicht ständig manuell die 80 Prozent im Auge behalten und das Netzteil ab- und wieder anstecken; gibt es eine automatische Begrenzung, ist deren Nutzung bequemer, ansonsten genügt es, die Temperatur im Griff zu behalten und das Gerät normal zu verwenden.
Muss man das Notebook ständig zwischen 20 und 80 Prozent betreiben?
Eine der am häufigsten wiederholten Empfehlungen zu Handy- und Notebook-Akkus lautet, den Ladestand stets zwischen 20 und 80 Prozent zu halten. Dieser Bereich kann zwar ein Ansatz sein, der die Akkugesundheit unterstützt, ist aber keine feste Regel, die Nutzer ständig befolgen müssten.
Lithium-Ionen-Akkus arbeiten unter günstigeren Bedingungen, wenn sie nicht über längere Zeit bei sehr niedrigem oder sehr hohem Ladestand belassen werden. Dennoch braucht es keine Gewohnheit, bei 79 Prozent das Netzteil anzustecken oder es bei Erreichen von 81 Prozent sofort abzuziehen. Auch ein häufiges Entladen bis auf 0 Prozent ist nicht nötig; moderne Akkus müssen nicht bei jeder Nutzung vollständig entladen und wieder auf 100 Prozent geladen werden.
Entscheidend ist hier die Nutzungsweise. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch arbeitet, kann die Ladebegrenzung des Herstellers aktivieren; für jemanden, der ständig unterwegs arbeitet und die volle Akkukapazität benötigt, ist eine Ladung auf 100 Prozent deutlich sinnvoller. Da der Akku ein Verschleißteil ist, gilt ein gewisser Kapazitätsverlust über die Jahre als normal, egal wie sorgfältig er genutzt wird.

Sollte man beim Spielen das Notebook am Netzteil betreiben?
Bei Gaming-Notebooks liegt der Fall etwas anders. Leistungsstarke Prozessoren und Grafikkarten können ihre Leistung drosseln, um den Energieverbrauch im Akkubetrieb zu begrenzen; deshalb erreichen viele Gaming-Notebooks ihre höchste Leistung erst am Netzteil.
Das Abziehen des Netzteils beim Spielen kann zu sinkenden Bildraten führen, die Grafikkarte arbeitet mit geringerer Leistung und der Akku entlädt sich sehr schnell. Eine starke Grafikkarte und ein starker Prozessor können die Akkukapazität unter hoher Last in kurzer Zeit aufbrauchen.
Daher gilt es als normal, das Notebook beim Spielen am Netzteil zu betreiben. Worauf man dabei achten sollte, ist wieder die Temperatur; ziehen Prozessor und Grafikkarte viel Leistung, drehen die Lüfter schneller und die Gehäusetemperatur steigt. Für die Leistung ist zudem die Verwendung des mitgelieferten oder vom Hersteller empfohlenen Netzteils mit ausreichender Leistung erforderlich. Ein schwächeres USB-C-Netzteil mag bei manchen Notebooks für die Grundnutzung ausreichen, kann aber beim Spielen den Leistungsbedarf des Geräts nicht decken.
Ist es gesünder, das Netzteil ständig ab- und anzustecken?
Um den Akku zu schonen, mag es auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, das Netzteil bei 100 Prozent abzuziehen und bei einem Absinken auf 30 oder 40 Prozent wieder anzustecken, doch eine tägliche Wiederholung führt zu unnötigem Laden und Entladen des Akkus.
Bei der Bewertung der Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus werden auch die Ladezyklen berücksichtigt. Ein Zyklus bedeutet nicht immer, dass der Akku in einem Zug von 100 auf 0 Prozent fällt; die Summe der Teilnutzungen zu verschiedenen Zeiten zählt ebenfalls zur Zyklusnutzung.
Steht das Notebook ohnehin auf dem Tisch und ist das Netzteil in der Nähe, hat das Abziehen allein zum Entladen des Akkus keinen erkennbaren Vorteil. Das Lademanagement des Computers erledigt diese Aufgabe gleichmäßiger als der Nutzer. Eine gelegentliche Nutzung im Akkubetrieb ist selbstverständlich nicht schädlich; problematisch ist, das unnötige ständige Entladen und Laden aus Sorge um den Akku zur Routine zu machen.
Was ist zu tun, wenn das Notebook monatelang am Strom bleibt?
Wer zu Hause oder im Büro ein Notebook statt eines Desktop-PCs nutzt, kann das Gerät wochenlang am selben Platz stehen lassen. In einem solchen Szenario ist die Nutzung einer Akkuschutzfunktion, sofern vorhanden, eine sinnvolle Wahl; die Begrenzung der Ladung auf den vom Hersteller empfohlenen Wert verhindert, dass der Akku monatelang bei 100 Prozent verweilt.
Auch die Umgebung des Computers spielt eine Rolle. Ein Tisch in direkter Sonneneinstrahlung, die Nähe einer warmen Heizung oder Unterlagen, die die Lufteinlässe verdecken, bieten keine guten Bedingungen für den Dauerbetrieb.
Wird das Notebook längere Zeit gar nicht genutzt, ist die Lage anders. Ein Gerät abzuschalten und monatelang zu lagern ist nicht dasselbe Szenario wie ein täglicher Betrieb am Netzteil. Bei längerer Lagerung sollte man statt eines völlig leeren oder dauerhaft bei 100 Prozent gehaltenen Akkus die Lagerungsempfehlung des Herstellers beachten; für viele Lithium-Ionen-Akkus gilt ein mittlerer Ladestand als besser für die längere Aufbewahrung geeignet. Bei älteren Notebooks mit herausnehmbarem Akku war das Entfernen des Akkus weit verbreitet, doch da bei den meisten modernen Computern der Akku im Gehäuse verbaut ist, ist dies nicht mehr nötig.

Woran erkennt man, dass die Akkugesundheit nachlässt?
Die Kapazität von Akkus nimmt mit Nutzung und Alterung ab. Ein Notebook, das neu gekauft stundenlang läuft, kann nach einigen Jahren bei gleicher Nutzung deutlich kürzer durchhalten; diese Veränderung allein bedeutet noch keinen Defekt.
Das deutlichste Zeichen ist eine erheblich verkürzte Laufzeit bei voller Ladung. Ein plötzlicher Abfall des Ladeprozentsatzes oder ein unerwartetes Herunterfahren des Computers bei einem bestimmten Prozentwert können ebenfalls auf ein Problem beim Akku hindeuten.
Unter Windows lässt sich über einen Akkurapport die Design-Kapazität des Akkus mit der aktuellen vollen Ladekapazität vergleichen. Die herstellereigenen Apps zeigen bei manchen Modellen ebenfalls Informationen zu Akkugesundheit, Zyklenzahl und Akkuzustand an.
Eine physische Aufblähung ist hingegen anders zu bewerten. Hebt sich das Touchpad oder das Gehäuse nach oben, entsteht eine Öffnung im Gehäuse oder besteht der Verdacht, dass der Akku aufgebläht ist, wird empfohlen, das Gerät nicht weiter zu benutzen und technischen Support in Anspruch zu nehmen. Ein normaler Kapazitätsverlust lässt sich nicht vollständig verhindern; das Ziel ist nicht, den Akku für immer im Neuzustand zu halten, sondern unnötigen Verschleiß zu verringern und seine nutzbare Kapazität länger zu erhalten.
Welche Methode ist beim dauerhaften Netzbetrieb am sinnvollsten?
Verbringt das Notebook den Großteil des Tages auf dem Tisch, spricht im Allgemeinen nichts gegen den Betrieb am Netzteil; moderne Ladesysteme sind so ausgelegt, dass sie eine unkontrollierte Überladung des Akkus verhindern.
Verfügt das Gerät über eine Akkuschutz- oder Ladebegrenzungsfunktion, kann deren Aktivierung bei langfristiger Desktop-Nutzung eine gute Wahl sein. Eine Begrenzung auf etwa 80 Prozent oder einen anderen vom Hersteller festgelegten Wert verringert die Zeit, in der der Akku dauerhaft voll geladen verweilt.
Ebenso wichtig ist die Temperatur. Das Notebook nicht so zu nutzen, dass die Luftkanäle verdeckt werden, die Kühlung unter hoher Last nicht zu behindern und das Gerät nicht unnötig in sehr heißen Umgebungen stehen zu lassen, trägt zur Akkugesundheit bei. Es ist nicht nötig, ständig Prozentwerte nachzurechnen und das Netzteil im Tagesverlauf mehrfach ab- und anzustecken; das Lademanagement möglichst den Systemen des Geräts zu überlassen und auf Temperatur und Nutzungsbedingungen zu achten, erweist sich als praktischerer Ansatz.